Sprachtherapeutische Praxis Unger


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Entwicklung der Grammatik

Sprachentwicklung und Sprachstörungen > Sprachentwicklung eines Kindes

Alter

Normale Entwicklung der Grammatik

Beispiele

1;6 Jahre
(18 Monate)

• das Kind spricht mindestens 50 Wörter (und bis
zu über 300)
• einzelne Wörter werden mehrfach wiederholt oder
• 2 oder mehr verschiedene Wörter werden
nacheinander gesprochen
• erste Anzeichen zum kombinierten Sprechen = Vorstufe
zum Grammatikerwerb

„Mama/auf“
(Kind möchte, dass z.B. die Kiste geöffnet wird)
„Balli Balli“
(Kind möchte z.B. den Ball haben)
„butt butt butt“
(= kaputt, Kind zerstört z.B. Turm)

2 Jahre
(24 Monate)

• mind. 2 eigenständige Wörter werden miteinander
kombiniert
• es werden meist Substantive (Nomen), Verben
(Tätigkeitswörter) und Adjektive (Eigenschaftswörter)
benutzt
• Artikel (der, die, das), Präpositionen (auf, unter, in)
usw. werden noch kaum gebraucht
• es werden keine vollständigen Sätze gesprochen, viele
Wörter werden ausgelassen

„Stuhl sitzen“
(auf den Stuhl klettern)
„Wauwau böse“
(Angst vor Hund)
„neide desda“
(Bild ausschneiden)
„diese leine“
(Buch alleine ansehen)
„Micha Haus“

2;6 Jahre
(30 Monate)

• die Länge der Äußerungen nimmt zu
• die Verben (Tätigkeitswörter) erscheinen an der
richtigen Stelle im Satz – entweder an 2. Stelle oder am
Ende
• es zeigen sich Fortschritte bei der Konjugation
(= Beugung der Verben), fehlerhafte Beugungen der
Verben sind noch altersgerecht
• auch hier sind die Sätze in der Regel noch nicht
vollständig, Wörter werden ausgelassen
• Hilfsverben („können“, „wollen“, „dürfen“, „sein“,
„haben“) treten öfter auf

„jetzt du Auto mal“ (malen)
„da is de Bär“
„Maxe auch Mauer hopp machen“
(herunterspringen)
„ich hol des die Kiste“ (aus der Kiste)
„wieder alles kaputt“
„schöne blaue Mütze habe“
„der auch runterfallen“
„ich leg Puppi Bett“
„da auch einer füttert Pferde“

3 Jahre
(36 Monate)

• einfache Sätze werden meist korrekt gebildet
• Verben werden meist korrekt gebeugt
• Verben werden jetzt in der 2. Person Singular gebeugt
(fähr
st, schläfst, rennst)
• zusammengesetzte Verben werden jetzt aufgespalten
(z.B. aufstehen-steht auf)
• Sätze werden länger und variabler
• Fehler bei der Beugung von Wörtern sind noch
altersgerecht (viele Stuhls, hat gebeisst)
• Ende des 3. Lebensjahres sollten Artikel (der, die,das)
gebraucht werden

„gleich fährt er los“
„ich baue da eine Kirche“
„der hat nicht das sehen“ (gesehen)
„da iser großer Fisch“
„darf nich der Teller ablecken“
„hier neidet Finger ab“ (Schere)
„bist du jetzt böse“
„heute haben wir die Seilbahn gespielt“

3;6 Jahre
(42 Monate)

• zusammengesetzte Sätze treten auf- hierbei kann es
zu Fehlern kommen
• das System der Fälle (Akkusativ, Dativ) entwickelt
sich weiter
• Akkusativformen („Wen?“ oder „Was?“ betrifft etwas)
werden sicherer
• der Dativ (Wemfall) wird meist noch nicht beherrscht
• Fehler bei der Beugung von Wörtern können auch in
der Phase noch auftreten

„auf der Treppe da liegt nich mehr Schnee“
„ich such mich eins aus“
„sag mir wie die Kinder alle heißen“
„wenn morgen is kann er die haben“
„weil immer noch nich geht“
„ich will mal sehen, ob das schwarz is“
„ich schlafe und du musst mich wecken“

Mit 4 Jahren sollten Kinder die Regeln der Grammatik kennen (Gebrauch der Artikel, Präpositionen, Mehrzahlbildung, Beugung der Wörter). Fehler beim Dativgebrauch (Wemfall) und bei einigen Wortflexionen (Wortbeugungen) sind noch altersgerecht.

Der aufmerksame Leser wird bemerken, dass die Altersangaben dieser Tabelle mit den Altersangaben aus der Übersicht „Grobe Darstellung der Sprachentwicklung eines Kindes“ vereinzelt leicht abweichen. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Sprachentwicklung individuell verläuft und Kinder unterschiedlich schnell lernen. Somit lassen sich in der Literatur auch voneinander leicht abweichende Altersangaben finden.


Antje Unger, Dipl.-Sprechwissenschaftlerin


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