Sprachtherapeutische Praxis Unger


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Aphasie

Sprachentwicklung und Sprachstörungen > Sprachstörungen bei Erwachsenen

Sprachstörungen bei Erwachsenen

Sprachstörungen/Aphasien nach einer Hirnschädigung (z.B. nach Schlaganfällen, Unfällen)


Was ist eine
Aphasie?

Eine Aphasie ist eine erworbene Störung der Sprache infolge einer Hirnschädigung.
Sie wirkt sich oft einschneidend auf das Leben der Betroffenen und deren Angehörigen aus.
Stellen Sie sich vor, Sie wachen auf, können eine Körperseite nicht mehr bewegen, haben Schmerzen, müssen dringend ins Bad und es ist Ihnen nicht möglich, Ihre Probleme einem anderen Menschen durch Sprechen, Schreiben oder Gestik verständlich zu machen. Sie bemerken, dass die Menschen aus Ihrer Umgebung eine Sprache sprechen, die Sie plötzlich nicht mehr oder nur noch teilweise verstehen.
Diese eben geschilderte Schreckensvision könnte eine Situation sein, wie sie Menschen mit einer Aphasie durchleben.
Aber auch Angehörige und Freunde reagieren oft hilflos, wenn sie auf einen Menschen treffen, der plötzlich nicht mehr sprechen kann oder statt „Guten Tag“ „Nein danke“ sagt.
Sie glauben oft, der Betroffene habe den Verstand verloren und sei verwirrt.
Aber bitte beachten Sie, auch wenn dem Betroffenen die Möglichkeit fehlt, sich über die Sprache auszudrücken, so sind all seine geistigen Fähigkeiten und sein Weltwissen nicht verloren gegangen. Die Gedanken können zwar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt in Worte gefasst werden, doch das Denken ist nicht betroffen und all das bisher erworbene Wissen noch vorhanden.

Wie äußert sich eine Aphasie?

Bei einer Aphasie sind die vier sprachlichen Modalitäten

die Sprachproduktion
das Sprachverständnis,
das Lesen und
das Schreiben

in unterschiedlichem Ausmaß gestört.

Es gibt verschiedene aphasische Syndrome (z.B. globale Aphasie, Wernicke- Aphasie, Broca-Aphasie, Amnestische Aphasie) und je nach Syndrom sind die vier sprachlichen Modalitäten unterschiedlich stark betroffen.
Eine Aphasie betrifft immer mehrere sprachliche Modalitäten gleichzeitig.

Selbst bei einer starken Beeinträchtigung des Sprachvermögens, können die Betroffenen durch den Einsatz von Gestik, Mimik und Tonfall in bestimmten Situationen z.B. Zustimmung und Ablehnung oder Freude und Trauer äußern.

Es kann davon ausgegangen werden, dass bei einer Aphasie fast immer auch das Sprachverständnis eingeschränkt ist. Die Schwere der Sprachverständnisstörung ist jedoch abhängig von dem jeweils vorherrschenden Syndrom. So wird bei einer globalen Aphasie das Sprachverständnis stärker eingschränkt sein, als bei einer amnestischen Aphasie.
Angehörige und Freunde haben oft den Eindruck, dass der Betroffene alles versteht, jedoch „nur“ nicht sprechen kann.
Achtung! Reaktionen, die der Betroffene zeigt (z.B. Kopfnicken oder Kopfschütteln oder „ja“und „nein“ Antworten) resultieren nicht selten aus einem situativen Verständnis heraus.
Stellen Sie sich vor, Sie stehen am Krankenbett, halten eine Vase mit Blumen in Ihrer Hand und fragen „Möchtest du, dass ich die Blumen auf deinen Nachttisch stelle?“. Vermutlich werden Sie während Sie die Frage stellen auch noch unbewusst zum Nachttisch schauen. Der Betroffene wird nun entweder mit dem Kopf nicken oder Ihnen durch Zeigen zu verstehen geben, dass Sie die Blumen lieber auf einen anderen Tisch stellen sollen.
Auf Grund dieser Situation kann jedoch nicht zwangsläufig geschlussfolgert werden, dass der Betroffene die Wörter der Frage verstanden hat, dass er also ein Sprachverständnis für die verbale Sprache gezeigt hat. Es wäre ebenfalls denkbar, dass der Betroffene lediglich auf die Situation reagiert hat, die er mit seinen Augen verfolgen konnte und aus der für ihn hervorging, was die Angehörige von ihm wissen wollte.

Ursachen einer Aphasie

Eine Aphasie ist immer auf eine Schädigung des Gehirns zurückzuführen.

Fast immer handelt es sich um eine Verletzung der linken Großhirnhälfte. Bei den meisten Rechtshändern und bei vielen Linkshändern ist das Sprachzentrum in der linken Hirnhemisphäre (Hirnhälfte) lokalisiert.
Zwischen Händigkeit und Lokalisation des Sprachzentrums besteht jedoch kein kausaler, sondern ein Häufigkeitszusammenhang.
Durch eine Verletzung im Gebiet des Sprachzentrums wird der Zugriff zu den Regionen, in denen die Sprachprogrammierung stattfindet, beeinträchtigt.

Bei ca. 80% der Hirnverletzungen, aus denen eine Aphasie resultiert, handelt es sich um Schlaganfälle.
Von einem Schlaganfall spricht man, wenn:
es zu einem ischämischen Insult, einer Mangeldurchblutung bestimmter arterieller Bereiche kommt
es zu einer Hirnblutung kommt.

Verletzungen des Gehirns können ebenfalls durch Unfälle, Operationen oder Tumore hervorgerufen werden.

Aphasie-Therapie

Bei einer Aphasietherapie handelt es sich nicht darum, bestimmte Wörter oder Sätze , wie beim Erlernen einer Fremdsprache, einzuüben. Ziel ist es, dass der Betroffene den Zugriff auf bereits erworbene sprachliche Fähigkeiten erlangen kann. In der Regel kann davon ausgegangen werden, dass die sprachlichen Fähigkeiten nicht verloren sind, sondern sie müssen im Rahmen der Therapie reaktiviert werden.

Oft gut gemeinte Übungsangebote von Angehörigen und Freunden, die den Betroffenen zum Nachsprechen oder Abschreiben von Wörtern und Sätzen ermutigen, können zwar nicht schaden, werden dem Patienten aber auch nicht helfen, seine sprachlichen Fähigkeiten wieder zu erlangen.
Im Rahmen der Therapie soll festgestellt werden, ob eine Aphasie vorliegt oder nicht. Handelt es sich um eine Aphasie, so sollte herausgefunden werden, um welche Art (um welches Syndrom) von Aphasie es sich handelt. Zu den Standardsyndromen gehören:
die globale Aphasie
die Wernicke-Aphasie
die Broca-Aphasie und
die amnestische Aphasie sowie die
nicht klassifizierbare Aphasie.
Je nach Aphasiesyndrom und Schwere der Aphasie wird eine Therapie für jeden Patienten individuell geplant. Jede Aphasieart benötigt ein anderes therapeutisches Vorgehen.

Prognose

Jeder Betroffene und deren Angehörigen möchten wissen, ob der Betroffene mit Hilfe der Therapie seine sprachlichen Fähigkeiten wieder erlangen kann. Diese Frage ist deshalb so schwer zu beantworten, weil es von vielen verschiedenen Faktoren abhängt, ob und wie stark sich die sprachlichen Fähigkeiten verbessern können.

Von folgenden Faktoren hängt der Therapieerfolg ab:
Art der Hirnverletzung (z.B. Unfall oder Schlaganfall)
Schweregrad der Hirnverletzung
physische und psychische Situation des Patienten – körperliche Schwäche, Depressionen oder Ungeduld gegenüber dem Lerntempo wirken sich negativ auf die Therapiefortschritte aus
Zeitspanne zwischen Beginn der Erkrankung und Therapiebeginn – je früher die Therapie beginnen kann, je günstiger ist meist die Prognose
soziales Umfeld des Patienten – ein Patient der sich allein gelassen fühlt oder der niemanden hat, der ihn unterstützt, hat oft größere Probleme, in den Therapien motiviert mitzuarbeiten

Es gibt Fälle, die sich innerhalb einer recht kurzen Zeitspanne schnell bessern. Es gibt aber auch hartnäckige Fälle, die sich trotz hoher Motivation und intensivem Üben kaum bessern.
Oft sind eine starke Motivation und kontinuierliches Üben der Weg zu einem verbesserten Sprachvermögen, doch nicht immer ein Garantieschein dafür.
Wie lange es dauert, bis sich eine Aphasie bessert, ist unmöglich voraussehbar. Diese Erkrankung erfordert sehr viel Geduld und die Betroffenen und deren Angehörigen sollten sich darauf einstellen, dass eine Besserung langsam verläuf und sich über Monate und evtl. über Jahre hinziehen kann. Leider kommt es nur sehr selten zu einer vollständigen Besserung. Bei den meisten Patienten bleibt eine schwächer oder stärker ausgepräte Sprachstörung zurück, mit der zu leben man jedoch lernen kann.




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